Positionspapier

Und dann? Vorschläge für eine Post-Corona Strategie

Welche Auswirkungen wird die Corona-Pandemie auf die Arbeit pro Weltoffenheit und Vielfalt haben? Der Arbeitskreis Kommunaler Qualitätszirkel zur Integrationspolitik sorgt sich vor allem um Bildung für Kinder aus Einwanderungsfamilien und Arbeitsmöglichkeiten:

„Insbesondere der stark eingeschränkte Zugang zu Schulbildung sowie zu Sprach- und Integrationskursen über digitale Formate während des Lockdowns gefährdet die bisherigen Integrationserfolge der sozial benachteiligten Gruppen. Die zeitweise Schließung von Schulen und Kitas, die Reduzierung sozialer Kontakte und der Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung haben Kinder und Jugendliche in ihren Entwicklungsmöglichkeiten besonders eingeschränkt“, heißt es in einem Positionspapier des Arbeitskreises. „Dasselbe gilt für die berufliche Integration: Stark eingeschränkter Zugang zu Arbeit, der Verlust des Arbeitsplatzes, zunehmende Erwerbslosigkeit und teilweise damit einhergehend, aufenthaltsrechtliche Unsicherheit sind die Folge,“ so heißt es weiter in dem Positionspapier des Kommunalen Qualitätszirkels.

Auswirkungen auf die Handlungsfelder im Projekt Weltoffene Kommune

Für die 35 Modellkommunen des Projektes Weltoffene Kommune ist dieses Handlungsfeld Fairer Zugang und Teilhabechancen sehr relevant für die eigene Integrations- und Vielfaltsarbeit. „Bildung und Sprache sind der Schlüssel“ für eine gelingende Integrationspolitik, so heißt es in vielen Integrationskonzepten oder Papieren der Kommunen. Der Arbeitskreis Kommunaler Qualitätszirkel zur Integrationspolitik, der sich aus vielen Integrationsbeauftragten sowie beratenden Gästen aus Wissenschaft, Stiftungen und Vertreter:innen der kommunalen Spitzenverbände und des BAMF zusammensetzt, sieht die „hart erarbeiteten Integrationserfolge und den gesellschaftlichen Zusammenhalt akut und längerfristig“ durch die Corona-Pandemie gefährdet.

"Corona erschwert den Zugang zu Bildung und Arbeit sowie Integrationserfolge und gesellschaftlichen Zusammenhalt."

Auch das Handlungsfeld Interkulturelle Öffnung und Antirassismus ist von den Auswirkungen tangiert: „Nicht zuletzt sind Eingewanderte und ihre Nachkommen verstärkt von Rassismus und Diskriminierung betroffen, wenn sie als Sündenböcke für die verschlechterte gesundheitliche und wirtschaftliche Lage und als Impfverweigerer dargestellt werden“, so heißt es im Positionspapier des Qualitätszirkel. Ein Beispiel hierzu ist der öffentliche Diskurs über die Werkvertragsarbeiter:innen in der Fleischindustrie. Ob in Pforzheim oder Gütersloh, hier waren hohe Corona-Ausbrüche zu vermelden. Die Ursache lag in den schlechten Arbeits- und Wohnverhältnissen der Werksvertragsarbeiter:innen der Fleischbetriebe und dem System des Subunternehmertums, das die Suche nach Verantwortlichen erheblich erschwert hat. Doch die Arbeitenden selber wurden in der öffentlichen Diskussion häufig zu Schuldigen gemacht, indem sie als „Superspreader“ bezeichnet wurden.

Wie kann man dieser Entwicklung entgegentreten?

Der kommunale Qualitätszirkel zur Integrationspolitik hält „dringend stärkere Investitionen in den Handlungsfeldern Migration“ für notwendig, um die Folgen der Pandemie zu bewältigen und den geschilderten Gefahren entgegen zu wirken.

Zudem spricht er sich für eine „bessere Einbindung der kommunalen Integrationsbeauftragten bei der Planung und Durchführung der Förderprogramme von Bund, Land und weiteren Stellen“ aus.

Folgende kurzfristige Maßnahmen schlägt er beispielsweise vor:

  • Die Bereitstellung von Bundesmitteln für die Digitalisierung an Schulen und vielfältige Projekte vor Ort
  • die Grundausstattung beispielsweise WLAN in allen Unterkünften für Geflüchtete.
  • Eine angemessene Finanzierungsgrundlage für die verschiedenen Anbieter, z.B. Träger der Deutsch- und Integrationskurse, Kommunale Integrationszentren, Träger der freien Wohlfahrtspflege, zivilgesellschaftliche Initiativen für Zusammenhalt und gegen Diskriminierung
  • Erhöhung der Investitionen von Bund, Ländern, Städten, Gemeinden und Landkreisen in die Integrationsarbeit
  • Stärkere Berücksichtigung der Expertise aus der Integrationsarbeit

„Die Auswirkungen und Folgen der COVID 19 Pandemie erfordern die Intensivierung und den Ausbau der Integrationsarbeit als Teil einer Post-Corona-Strategie, um die gewachsenen Ungleichheiten im Bildungsbereich, auf dem Arbeitsmarkt, im Gesundheitsbereich und bei der gesellschaftlichen Teilhabe zu kompensieren“, so das Resümee des Qualitätszirkels.


Hier finden Sie das Positionspapier des Arbeitskreises Kommunaler Qualitätszirkel zur Integrationspolitik „Mehr Mittel für die Integrationsarbeit nach der Corona-Pandemie“ zum Download.


Weiterführende Informationen enthält die Publikation „Auswirkungen und Szenarien für Migration und Integration während und nach der COVID-19 Pandemie“ der Autorinnen Prof. Dr. Petra Bendel, Yasemin Bekyol und Marlene Leisenheimer der Friedich-Alexander-Universität.

Hier können Sie den Artikel als PDF herunterladen, um ihn auszudrucken oder anderen Interessierten zu schicken.

Gari Pavković


Gari Pavković ist seit 2001 Integrationsbeauftragter der Landeshauptstadt Stuttgart und Autor des Stuttgarter Integrationskonzepts „Bündnis für Integration“.

Seit 2009 leitet er die Geschäftsstelle des bundesweiten Arbeitskreises Kommunaler Qualitätszirkel zur Integrationspolitik.