Mehrsprachige Erklärvideos in Stuttgart

"Empowerment von Geflüchteten für Geflüchtete"

Stuttgart meint es ernst mit der Kommunikation. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie, aber nicht nur dann! Der Anspruch der Stadt ist es, alle zu erreichen: diejenigen, die seit vielen Jahren in der Stadt leben, diejenigen, deren Muttersprache deutsch ist und diejenigen, die erst gerade gekommen sind – diejenigen, die andere Sprachen sprechen oder gar als Geflüchtete schwierigere Möglichkeiten haben, unsere Informationen zu verstehen.

Ayse Özbabajan, stellvertretende Leiterin der Abteilung für Integrationspolitik der Stadt Stuttgart und Mitglied des Beirats unseres Modellprojektes Weltoffene Kommune erklärt, warum mehrsprachige Infos wichtig sind:


Mehrsprachige Kommunikation sehen wir als wichtig, weil viele Stuttgarter*innen mit Migrationshintergrund Schwierigkeiten haben, spezielle und wichtige Informationen zu verstehen. Der gleichberechtigte Zugang aller Bürger*innen zu Informationsmaterial sollte durch die Stadtverwaltung sichergestellt werden. Ein weiterer Grund ist die wertschätzende Geste. Die Landeshauptstadt Stuttgart ist stolz auf ihre Bürger*innen mit 181 Nationen, die rund 120 Sprachen sprechen. Die mehrsprachigen Informationen sind somit auch eine wertschätzende Geste, dass der Verwaltung sehr daran gelegen alle Bürger*innen zu erreichen.

Die Idee, mehrsprachige Erklärvideos von Geflüchteten für Geflüchtete zu produzieren, entstand nach mehreren Gesprächen innerhalb unserer Abteilung, mit der Sozialberatung in den Gemeinschaftsunterkünften, weiteren Beratungsstellen und den Geflüchteten selbst.

Es wurde uns zu Beginn der Corona-Pandemie und den darauffolgenden Regeln zur Eindämmung zurückgemeldet, dass die Geflüchteten mit der Fülle von Hygieneregeln in Printform und Falschmeldungen völlig überfordert sind.

Wir haben uns dazu entschieden, Erklärvideos von Geflüchteten in ihren Herkunftssprachen zu produzieren, die kurz, einfach und niedrigschwellig auf die Verhaltensregeln hinweisen. Das Konzept für die Videos basiert auf dem Empowermentansatz von Geflüchteten für Geflüchtete. Geflüchtete haben von zu Hause in Eigenregie Spots mit Ihren Smartphones aufgenommen, die vom Landesfilmdienst aufbereitet/ergänzt wurden.

Die Videos wurden auf die Website der Landeshauptstadt Stuttgart gestellt und zahlreich angeklickt. Somit konnten wir auch feststellen, dass das Projekt ein Erfolg war und sich der Ansatz mehrsprachiger Informationsmaterialien bestätigt hat.

Erklärvideos in 7 Sprachen

Die Erklärvideos sind in folgenden Sprachen verfügbar: Arabisch, Kurdisch, Farsi/Dari, Tigrinya, Französisch, Russisch und Englisch. Sie wurden zusätzlich auf YouTube veröffentlicht:

Ayse Özbabajan


Ayşe Özbabacan ist seit 2006 für die Abteilung Integrationspolitik im Referat Soziales und gesellschaftliche Integration in Stuttgart tätig. Ihre Schwerpunkte sind die Weiterentwicklung des Stuttgarter Bündnisses für Integration, Interkulturelle Öffnung der Stadtverwaltung, nationale und internationale Vernetzung zur lokalen Integrationspolitik sowie Migration und Behinderung. Bis 2012 koordinierte sie das europäische Städtenetzwerk CLIP.