Gastbeitrag von Elisa Calzolari

MigraNetz Thüringen: Zusammenarbeit fördert Weltoffenheit

Nordhausen, Gera und das Altenburger Land in Thüringen sind drei unserer insgesamt 35 Modellkommunen. Sie wissen, dass die Zusammenarbeit mit Migrant:innen- selbstorganisationen ein zentraler Bestandteil kommunaler Teilhabe- und Vielfaltsarbeit ist. Hier können Menschen mit internationaler Geschichte ihre Interessen und Anliegen vertreten und so die weltoffene Entwicklung der Kommune mitgestalten.

Das MigraNetz Thüringen vertritt über 30 Selbstorganisationen. Geschäfsführerin Elisa Calzolari beschreibt die Zusammenarbeit mit Kommunen auf dem Weg zu mehr Weltoffenheit.

"In Deutschland leben über 9 Millionen Menschen, die weder auf kommunaler noch Landes- oder Bundesebene wählen dürfen. Gleichzeitig prägen und gestalten sie das Land mit, organisieren sich in eigenen Initiativen und Vereinen. Dachorganisationen, die verschiedene Migrant:innenorganisationen vereinen, dienen als politisches Sprachrohr, als Plattform für Austausch und Vernetzung und können Ansprechpartner:innen für Kommunen sein, die die Zusammenarbeit mit Migrant:innenorganisationen suchen.

Das Beispiel des MigraNetz Thüringen e.V. zeigt, wie wichtig Selbstorganisation für die Teilhabe an der Gesellschaft ist und wie Thüringer Kommunen durch die Zusammenarbeit mit dem MigraNetz Weltoffenheit fördern können.

Seit seiner Gründung 2015 vertritt das Landesnetzwerk für Migrant:innenorganisationen – MigraNetz Thüringen e.V. die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Interessen von über 30 Migrant:innenorganisationen sowie die kommunalen Migrations-, Integrations- und Ausländerbeiräte im Freistaat Thüringen. Das Netzwerk unterstützt Mitgliedsorganisationen im Aufbau oder bei der Stärkung eigener Strukturen, bei Anträgen oder der Organisation von zielgruppenspezifischen Veranstaltungen. Zum anderen vertritt das Netzwerk seine über 30 Migrant:innenorganisationen in verschiedenen regionalen und überregionalen Organisationen oder Vernetzungen wie der Bundeskonferenz der Migrantenorganisationen (BKMO) und bietet auf lokaler und regionaler Ebene verschiedenste Veranstaltungen, die z.B. der Fortbildung und Vernetzung unter den Mitgliedern selbst sowie weiterer Organisationen und Akteuren dienen sollen. So werden gemeinsame Strukturen auf- oder ausgebaut, gestärkt und die einzelnen Organisationen des Netzwerks empowered, ihre eigenen Mitglieder noch besser als zuvor zu vertreten.

Zusammen mit seinen Mitgliedsorganisationen arbeitet MigraNetz auf eine größere Teilhabe und Einbeziehung von Migrant:innen und Menschen mit Migrationsgeschichte auf allen gesellschaftlichen Ebenen sowie in demokratischen Entscheidungsprozessen in Kommunen, Ländern und Bund hin.

Im Zuge dieser Arbeit wird immer wieder deutlich, dass Kommunalpolitik und -verwaltung Unterstützung bei der Entwicklung hin zur Weltoffenheit benötigen. Hier bestehen häufig Defizite im Wissen um die Teilhabemöglichkeiten, Interessen und Bedürfnisse von Menschen mit Migrationsgeschichte. Gerade in Thüringen, wo der Anteil der Bevölkerung mit internationaler Geschichte niedriger ist als in vielen anderen Bundesländern, sind Wissen und Erfahrung im Umgang mit vielfältigen Bevölkerungsgruppen nicht besonders ausgeprägt. Hier fungiert das MigraNetz als Brückenbauerin. Über MigraNetz und Mitglieder des Netzwerks wie die Integrations- und Migrationsbeiräte können Kontakte zu Migrant:innenorganisationen aufgebaut, gemeinsame Veranstaltungen organisiert werden und in gemeinsamer Zusammenarbeit zwischen diesen und den Kommunen Veranstaltungen, Workshops, Seminare und Fachtagungen organisiert werden. In diesen kann sensibilisiert, trainiert, Kontakte geknüpft und gemeinsame Arbeit und Ziele bereits formuliert und aufgenommen werden. Kooperationen an der Schnittstelle zwischen MigraNetz und einzelnen Kommunen bestehen bereits seit geraumer Zeit.

Gerade in den großen Städten wie Erfurt, Weimar und Jena gibt es langjährige Beziehungen und eine gute Zusammenarbeit zwischen MigraNetz, den jeweiligen Migrationsbeiräten sowie den Stadtverwaltungen. Auch darüber hinaus gibt es zahlreiche punktuelle Kooperationen, beispielsweise mit den Kommunen in Altenburg, Eisenach oder Nordhausen, vor allem auch mit den Integrationsmanager:innen sowie den Integrationsbeauftragten."

"Das Landesnetzwerk der Migrant:innen- organisationen begrüßt die Zusammenarbeit mit den Thüringer Kommunen. Wir wünschen uns künftig einen noch engeren Austausch."

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Elisa Calzolari


Elisa Calzolari ist Politikwissenschaftlerin mit deutsch-italienischen Wurzeln. Sie studierte in Jena, Brüssel und Salvador da Bahia und arbeitete u.a. bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Auswärtigen Amt. Derzeit ist sie Geschäftsführerin von MigraNetz Thüringen, dem Netzwerk der Migrantenorganisationen in Thüringen.