Praxistipp Selbstcheck-Workshop

Kreativ unter Corona-Bedingungen

Die Selbstcheck-Workshops im Modellprojekt Weltoffene Kommune bringen Verwaltungsmitarbeitende, Kommunalpolitiker*innen und Vertreter*innen der Zivilgesellschaft zusammen, um gemeinsam zu reflektieren, wie weit die Kommune auf dem Weg zu Weltoffenheit ist.

Wie so vieles wurden auch die Planungen für die Selbstcheck-Workshops durch die Corona-Pandemie plötzlich auf den Kopf gestellt. Eigentlich als analoge Veranstaltungen gedacht waren bei ihrer Umsetzung nun viel Kreativität und neue Ideen gefragt. Lediglich im Sommer konnten Veranstaltungen mit geringer Teilnehmendenzahl zugelassen und verantwortet werden, natürlich immer mit Abstand, Masken und unter strengen Hygienebedingungen.

Von den 18 Selbstcheck-Workshops, die in unseren Modellkommunen im Jahr 2020 durchgeführt wurden, fand jeweils die Hälfte als Online-Format und als Präsenzveranstaltung statt. Hier stellen wir Praxisbeispiele kreativer und gelungener Selbstcheckworkshops vor. Sie sollen Anregungen geben, wie die akteursübergreifende Zusammenarbeit auch in Pandemiezeiten erfolgreich umgesetzt werden kann.

DRAUßEN

Wittenberge (Brandenburg): Unter dem Zelt im Sonnenschein

Der August steht ja schon fast für eine gute Wetter-Garantie, deshalb wurde aus der Not eine Tugend gemacht. Der Selbstcheck-Workshop in der Stadt Wittenberge fand unter einem großen Pavillon des Technischen Hilfswerks (THW) direkt an der Elbe statt.

Durch die Zusammenarbeit mit dem THW war die Technik kein Problem: Beamer, Laptop und Mikrofon wurden zur Verfügung gestellt. Bierbänke und Tische, Flipchart und Moderationsmaterial waren ebenfalls vorhanden. Auf gelbem Plakatkarton wurden Definitionen einer Weltoffenen Kommune festgehalten und anschließend wurde im Plenum an der frischen Luft diskutiert, wie Wittenberge noch weltoffener werden kann.

Der Ausblick auf die Elbe erweiterte den Horizont und sorgte für eine gute und produktive Stimmung. Die Arbeit an der frischen Luft, Abstandsregelungen und Maskenpflicht wo nötig ermöglichten einen Präsenzworkshop, bei dem es an nichts fehlte.

HYBRID

    Hansestadt Rostock (Mecklenburg Vorpommern): Teilnahme auch ohne Internet

    Was tun, wenn der Selbstcheck-Workshop auf ein Online-Format umgestellt werden muss, aber nicht alle Teilnehmenden über die nötige Ausstattung verfügen, um online dabei sein zu können?

    Pragmatisch wurde diese Herausforderung in der Stadt Rostock gelöst: Während der Selbstcheckworkshop per Videokonferenz stattfand - Prozessbegleiterin und Bertelsmann Stiftung aus dem Rheinland, PHINEO aus Berlin sowie die meisten Teilnehmenden aus Rostock waren zugeschaltet -, teilten sich weitere acht Personen einen großen Bildschirm in einem Besprechungsraum. Hier war auch die Integrationsbeauftragte der Stadt Rostock, Stephanie Nelles, dabei.

    In der Gruppenarbeit während der Video-Konferenz bildeten die Teilnehmenden in diesem Besprechungsraum eine Arbeitsgruppe, die anderen zugeschalteten Teilnehmenden wurden in die weiteren „Breakout-Rooms“ eingeteilt.

    Diese Hybrid-Lösung ermöglichte ganz verschiedenen Akteur*innen aus Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft die Teilnahme am Workshop – unabhängig von technischer Ausstattung und digitalem Know-How.

    DIGITAL

      Brühl (Nordrhein Westfalen): Überraschungspäckchen für die Frühstückspause

      Online-Workshops per Videokonferenz sind zwar inzwischen gute Prraxis. Doch wie kann angesichts der räumlichen Distanz im Online-Workshop ein Gefühl von Gemeinsamkeit hergestellt werden?

      Daniela Kilian, die Integrationsbeauftragte der Stadt Brühl, griff zu einem Trick: per Post schickte sie allen Teilnehmenden des digitalen Selbstcheckworkshops ein Überraschungspäckchen für die Kaffeepause - mit Müsliriegel und Smoothie, Obst, Nüssen und einer Kerze. Die Teilnehmenden waren begeistert. Das Frühstückpäckchen sorgte für Gesprächsstoff, Gemeinsamkeit und Gruppengefühl während der Pause und erhöhte damit die Motivation für den Workshop im digitalen Raum.

      Krefeld (Nordrhein Westfalen): Kurzweiligkeit durch Kleingruppen und Kreativität

      Eine der Befürchtungen bei der Umstellung eines Workshops auf das Online-Format ist die Langeweile und sprichwörtliche „Zoom-Fatigue“ (Zoom-Müdigkeit).

      Der Selbstcheckworkshop der Stadt Krefeld zeigt, dass dies nicht sein muss. Das Rezept: Abwechlsung und Bewegung. Während der 5 1/2 Stunden wurde in drei Phasen in Kleingruppen gearbeitet: Zunächst hatten die Teilnehmenden 15 Minuten zum „Warmlaufen“, dann wurde in zwei Runden à 30-40 Minuten zur Bearbeitung der Handlungsfelder.

      Schließlich wurden die Teilnehmenden gebeten, einen Gegenstand vor die Kamera zu holen, der Weltoffenheit symbolisiert und dazu die eigenen Gedanken zu erläutern. Bei diesem Workshop war viel Interaktivität der Schlüssel zum Gelingen.

      Andreas Pamp, Leiter des Fachbereichs Integration:

      „Die Atmosphäre fand ich richtig, richtig gut! Auch im Vergleich zu anderen Erfahrungen: es war wirklich abwechslungsreich und kurzweilig. Trotz der relativ langen Dauer gab es keine Ermüdungserscheinungen. Auch im Nachhinein haben wir nur gutes Feedback erhalten.“


      Die Beispiele aus Wittenberge, Rostock, Brühl und Krefeld zeigen: Interaktives Zusammenarbeiten ist auch in Zeiten des Social Distancing möglich. Ob Outdoor-Veranstaltung, Hybrid-Format oder lebendige Online-Workshops – für jede Kommune gibt es ein geeignetes Konzept, das ihren Möglichkeiten entspricht.

      Download

      Hier können Sie den Artikel als PDF herunterladen, um ihn auszudrucken oder anderen Interessierten zu schicken.

      Annalena Rehkämper


      Annalena Rehkämper ist Beraterin im Team Öffentlicher Sektor der PHINEO gAG. Im Modellprojekt Weltoffene Kommune verantwortet sie die Konzeption und Durchführung der Dialogveranstaltungen sowie die Entwicklung und Umsetzung des Selbsteinschätzungsinstruments. Hier bringt sie unter anderem ihre Erfahrungen aus der Demokratieförderung und Prozessbegleitung ein.

      Claudia Walther

      Senior Project Manager "LebensWerte Kommune" bei Bertelsmann Stiftung
      +49 5241 81 81360
      claudia.walther@bertelsmann-stiftung.de

      Claudia Walther, Senior-Projektmanagerin, ist seit 2001 bei der Bertelsmann Stiftung. Ihre Themen: Einwanderung und Vielfalt in Kommunen. Sie arbeitet im Projekt Weltoffene Kommune, Programm LebensWerte Kommune, Bertelsmann Stiftung.