Bericht

Die Integreat App

Hat Ihre Kommune Maßnahmen, um neu Zugezogenen eine Orientierung zu erleichtern? Ob Angebote in Stadt oder Kreis, ob Dienstleitungen oder Anlaufstellen – wo finden die Neuen genau die Infos, die sie brauchen? Die Integreat App ist eine digitale Möglichkeit für Kommunen, die richtigen Infos an die richtigen Zielgruppen zu bringen.

Mit Integreat kann jede Stadt und jeder Landkreis zugewanderte Menschen schnell und einfach mit lokalen Informationen in mehreren Sprachen versorgen. Die Informations-App wird von Expertinnen und Experten vor Ort mit Inhalten befüllt, während die gesamte Technik im Hintergrund von der gemeinnützigen Organisation Tür an Tür – Digitalfabrik gGmbH übernommen wird. Das Konzept überzeugt: Bundesweit wird Integreat in fast jeder sechsten Kommune eingesetzt, um die Integrationsarbeit zu erleichtern und Informationsarmut abzubauen.

Wie ist die Integreat-Idee entstanden?

Als im Jahr 2015 über eine Million Geflüchtete nach Deutschland kamen, wurde der Bedarf an mehrsprachigen Informationsangeboten zu Asylthemen und Alltagsfragen schnell deutlich. In Augsburg arbeiteten der Verein Tür an Tür - miteinander wohnen und leben e.V., die Stadt Augsburg und der Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik der Technischen Universität München gemeinsam an der Digitalisierung der 1997 erschienenen „First Steps“-Broschüre mit lokalen Erstinformationen für Asylbewerber:innen in der Region Augsburg. Als Ergebnis entstand im Sommer 2015 die Integreat-Plattform als digitaler Alltagsguide für Geflüchtete, die in Augsburg im November 2015 veröffentlicht wurde. Nach der Bekanntmachung von Integreat in und für Augsburg, zeigten auch weitere Städte und Landkreise ihr Interesse daran, die Lösung individuell angepasst in der eigenen Region einzusetzen. Die Gründung der Tür an Tür – Digitalfabrik gGmbH folgte im Sommer 2016 aufgrund der direkten Anfrage der kommunalen Partner, die Kooperation und Weiterentwicklung im Kontext von Integreat professionell zu gestalten und damit auch für alle Partner für Planungssicherheit zu sorgen.

Integreat, ein Angebot das ursprünglich für Geflüchtete entwickelt wurde, richtet sich heute an eine breitere Zielgruppe. Im Fokus stehen dabei Neuzugewanderte, die sich selbstständig in ihrer neuen Region informieren möchten. Jede Kommune entscheidet dabei, welche Zielgruppe angesprochen wird. Das größte Potenzial entfaltet Integreat aufgrund seiner Mehrsprachigkeit und interkulturellen Verständlichkeit bei migrantischen Zielgruppen. Dabei obliegt es jeder Kommune selbst, ob die Zielgruppe breiter (alle Migrant:innen, Neuzugewanderte) oder enger (Geflüchtete, Fachkräfte) gefasst wird.

Auf kommunaler Ebene ist der Bedarf an einem gemeinsamen Kommunikationsraum für Beratungsstellen, Verwaltung, Ehrenamtliche und Zugewanderte besonders hoch. Die Kommunikation findet meist bilateral zwischen den Zugewanderten als Einzelpersonen und den verschiedenen Akteuren statt. Gleichzeitig befindet sich das Wissen im Bereich Integration häufig in den Köpfen der Beratenden und ist nur selten verschriftlicht und somit frei zugänglich. Hier kann durch die gezielte Bündelung der Informationen an einer zentralen und neutralen Stelle, der Integreat-Plattform, mehr Transparenz für alle Akteure hergestellt werden. Durch diese Bündelung erhöht sich nicht nur die Verständlichkeit von Prozessen für Neuzugewanderte, sondern es entsteht auch eine transparente Angebots- und Wissensdatenbank. Zudem schaffen schriftliche Informationsangebote wie Integreat ein Sicherheitsgefühl auf Seiten der Nutzer:innen, da diese als verlässliche Quelle wahrgenommen werden und zur nachträglichen Referenz (beispielsweise nach einem Beratungsgespräch) genutzt werden können.

Integreat wurde dabei im Verlauf der letzten Jahre immer mehr zu einem konkreten Werkzeug, mit dem Kommunen Transparenz ohne große Kosten und technisches Know-how herstellen können. Für die Kommunen ist Integreat eine Integrations-Plattform, auf der Informationen und lokale Angebote über ein Redaktionssystem verwaltet werden. Integreat sorgt für ein mehrsprachiges und lokal-zugeschnittenes Informationsangebot – egal ob in einer kleinen Gemeinde, einer Stadt oder einem Landkreis.

Für die Menschen, die durch Flucht oder Migration in eine fremde Kultur kommen, stellt sich Integreat in Form einer mobilen App dar. Im Alltag wichtige Informationen werden in einer kostenlosen und offline nutzbaren App zur Verfügung gestellt. Durch die Mehrsprachigkeit werden Sprachbarrieren überwunden. Darüber hinaus bildet Integreat langfristig ein digitales Fundament für weitere kommunale Integrationsarbeit, schafft also durch eine zentrale Sammlung von relevanten Prozessen, Angeboten und Kontakten in einer Kommune die Grundlage für weitere Maßnahmen und Aktivitäten. Die Inhalte werden von lokalen Expert:innen aus unterschiedlichen Institutionen und Organisationen unter kommunaler Verwaltung gepflegt. Nicht die Vermittlung vermeintlicher „kultureller Werte“ steht dabei im Vordergrund, sondern der niedrigschwellige Zugang zu gesellschaftlich-relevanten Angeboten und der jeweiligen Stadtgesellschaft. Damit richten sich die Informationen an den konkreten Bedarfen von Neuzugewanderten aus.

Wie können Kommunen Integreat nutzen?

Aktuell nutzen 65 Kommunen Integreat aktiv zur mehrsprachigen Informationsvermittlung. Entschließt sich eine Kommune oder ein Träger für Integreat, bekommen diese einen eigenen geschlossenen Bereich auf der Integreat-Plattform, welcher auf Wunsch bereits eine deutschlandweit gültige Vorlage in mehreren Sprachen enthält, die an lokale Anforderungen angepasst wird. Ein weiteres Angebot ist die integrierte Web-App mit Hilfe derer auch ohne Installation der Smartphone-App bzw. durch Suchmaschinen auf die mehrsprachigen Inhalte zugegriffen werden kann. Der aktuelle Stand der Informationen kann jederzeit ausgedruckt werden und so können auch diejenigen ohne Smartphone oder Computer erreicht werden.

Im Gegensatz zu anderen Lösungen am Markt entfaltet Integreat die Wirkung auf lokaler Ebene, ist gleichzeitig aber nahezu unbegrenzt skalierbar. Die Lokalität der Informationen für Neuzugewanderte ist deshalb so wichtig, da sich Prozesse und Zuständigkeiten von Institutionen oft innerhalb desselben Bundeslandes, noch öfter aber zwischen Regierungsbezirken und Kommunalverwaltungen unterscheiden. Die Genauigkeit und Aktualität der Informationen werden gewährleistet, da die Inhalte von hauptamtlichen Akteuren vor Ort eingestellt und gepflegt werden. Der Aufwand der Aktualisierung und Pflege von Integreat wurde 2020 von den kommunalen Partnern mit durchschnittlich 2,25 Stunden pro Wochen angegeben.

Voraussetzung für die Nutzung von Integreat als Kommunen ist die Verfügbarkeit von mindestens einer hauptamtlichen Person, die das Integreat-Projekt vor Ort koordiniert und Inhalte federführend aktualisiert. Das Team von Integreat kann sich so auf seine Stärken, die Weiterentwicklung von Plattform und App, die Suchmaschinenoptimierung, die Vernetzung, die Einbindung neuer Funktionen und die Beratung der Kommunen und Landkreise, konzentrieren.

Weitere Informationen zu Integreat finden Sie unter: https://integreat-app.de/

Clara Bracklo


Clara Bracklo ist seit 2017 bei der Tür and Tür - Digitalfabrik gGmbH tätig und hier für Organisationsentwicklung und Wirkungsmessung zuständig. 2017 absolvierte sie einen Bachelorabschluss in „Interkulturelles Management und Kommunikation“ in Karlsruhe. Seit 2019 studiert sie „Ethik der Textkulturen“ im Master an der Universität Augsburg.