Checkliste

Konzept für Integration - ein Leitfaden in 12 Schritten

Ein Integrationskonzept haben inzwischen viele Kommunen – es kann ein Leitfaden für die Integrations- und Vielfaltsarbeit vor Ort sein. Unsere Checkliste zeigt, worauf es bei der Erarbeitung des Konzepts ankommt.

Ein Integrationskonzept besteht in der Regel aus:

  • einem Leitziel oder Leitbild,
  • einer Situationsbeschreibung oder Bestandsaufnahme,
  • konkreten Zielsetzungen, die mit Maßnahmen hinterlegt sind. Für diese Maßnahmen sollten natürlich auch konkret Verantwortlichkeiten, Ressourcen (Budget) und Termine festgelegt werden, die kontrolliert oder nachzuhalten sind.

So kann das Integrationskonzept ein Leitfaden für die Integrations- und Vielfaltsarbeit vor Ort sein:

  • Am besten, ein Integrationskonzept knüpft in seinem Leitziel oder Leitbild an ein Narrativ an, das es vor Ort bereits gibt – zum Beispiel Traditionen als Handelsstadt, Friedensstadt oder Industriestandort, der seit über hundert Jahren auf die Zusammenarbeit von Zuwanderern und Einheimischen angewiesen ist. Das kann wie folgt aussehen:
    „Die Stadt xy versteht sich als international und weltoffen. Sie war schon immer Handelsstadt und als solche auf den internationalen Austausch angewiesen und daher ist für uns Weltoffenheit selbstverständlich.“
  • Ein Integrationskonzept kann noch so gut sein – wenn es aus einer einzigen Feder stammt und in der Schublade des Autors oder der Autorin liegt, ist es in der Regel wirkungslos. Daher gehört inzwischen die Empfehlung eines partizipativen Vorgehens zum „state of the art“.
  • Es gibt verschiedene Begriffe der bisherigen Konzepte in den einzelnen Kommunen: Integrationskonzept, Interkulturelles Konzept, Konzept für Migration und Vielfalt, Leitbild Integration, Diversitätskonzept. Diese Begrifflichkeiten haben alle ihre Berechtigung. Der Einfachheit halber nutzen wir in unseren folgenden Empfehlungen den Begriff „Integrationskonzept“.

12 Schritte, die wir für die Erarbeitung eines Integrationskonzeptes empfehlen:

  1. Der Entschluss im Kernteam
    Ein Kernteam der Integrationsarbeit entschließt sich, ein Integrationskonzept zu erarbeiten.
  2. Die Idee im Bündnis
    Das Kernteam bespricht diese Idee mit maßgeblichen Akteur*innen der Integrationsarbeit, um diese Idee auf breitere Füße zu stellen: beispielsweise mit dem Integrations(bei)rat, mit Wohlfahrtsverbänden, benachbarten Verwaltungsressorts oder der Volkshochschule.
  3. Rückhalt von Fachleitung und Verwaltungsvorstand
    Das Vorhaben wird mit der zuständigen Leitung besprochen, um das Integrationskonzept zur Chef*innensache zu machen.Dazu zählen sowohl die Fachleitung als auch die zuständige Chefebene im Verwaltungsvorstand: Dezernent*in oder (Ober-)Bürgermeister*in oder Landrat/Landrätin.
  4. Planung des Prozesses
    Das Kernteam plant den Prozess in Absprache mit der zuständigen Fachleitung. Dazu gehört auch die Frage, wie das Produkt am Ende im Groben aussehen soll: Braucht es ein Konzept als Broschüre, was soll es alles beinhalten und wie konkret soll es formuliert sein? Auch Zeitplan und Beteiligungsprozess werden besprochen: Welche Akteur*innen werden in welcher Form beteiligt?
  5. Beschluss in Ratsausschuss oder Kreistagsausschuss
    Eine kurze Verwaltungsvorlage wird in den zuständigen Ratsausschuss eingebracht, um die politische Rückendeckung zu erhalten. Im Einzelnen ist auch ein Rats- oder Kreistagsbeschluss sinnvoll. Die Verwaltungsvorlage sollte das Vorhaben kurz beschreiben und enthalten, welche Akteur*innen mit welchem Verfahren beteiligt werden, welcher Zeitplan vorgesehen wird und gegebenenfalls welche finanziellen Mittel vorgesehen sind.
  6. Prozessbegleitung zur Unterstützung
    Je nach Verfahren wird eine externe Prozessbegleitung (in der Regel kostenpflichtig) hinzugezogen, mit der das Vorgehen besprochen wird. In Einzelfällen gibt es auch methodische Unterstützung durch die ortsansässige Hochschule.
  7. Akteursübergreifender Workshop
    Es wird ein akteursübergreifender Workshop geplant und durchgeführt, zu dem die Akteur*innen aus Verwaltung, Zivilgesellschaft, Migrant*innenvertretung und Vertreter*innen von Einrichtungen (Sozial-, Bildungs-, Wirtschafts-, Kultur-, Sport-Einrichtungen) eingeladen werden. Hier sollte die zuständige Verwaltungsleitung, am besten der zuständige Verwaltungsvorstand, beteiligt werden. Dieser Workshop soll sich über eine grobe Situationsanalyse sowie die strategischen Ziele des Integrationskonzeptes verständigen. Auch die Festlegung, wie viele und welche Handlungsfelder das Konzept enthält, ist an dieser Stelle sinnvoll. Erste Ideen und Vorschläge für Maßnahmen können in Arbeitsgruppen erarbeitet werden. Wichtig ist am Ende, das weitere Verfahren im Workshop zu kommunizieren.
  8. Erarbeitung des Konzepts
    Je nach Prozessdesign finden einer oder mehrere dieser Workshops statt. Denkbar ist beispielsweise, dass im Anschluss an einen solchen Workshop zur Erarbeitung des Konzepts eine Arbeitsgruppe für die Konkretisierung und Ausarbeitung der Anregungen aus dem Workshop beauftragt wird. Oder es werden (zusätzlich) mehrere Fach-Arbeitsgruppen für die einzelnen Handlungsfelder eingerichtet und beauftragt.
  9. Abstimmung mit der Fachleitung
    Nach Erarbeitung eines Entwurfes des Integrationskonzepts ist dieser mit der zuständigen Fachleitung der Verwaltung abzustimmen.
  10. Feedback und Abstimmung der Entwurfsfassung
    Die beteiligten Akteur*innen sollten die Möglichkeit haben, über die Entwurfsfassung abzustimmen – entweder schriftlich oder im Rahmen eines weiteren Workshops.
  11. Beschluss und Verabschiedung
    Die endgültige Fassung des Integrationskonzepts sollte im zuständigen Ausschuss, im Integrations(bei)rat (bzw. Migrant*innenvertretung mit anderem Namen) sowie im Stadtrat oder Kreistag vorgestellt werden und die Zustimmung des jeweiligen Gremiums mit möglichst breiter Mehrheit erhalten. Je breiter die Mehrheit, desto stärker der Rückhalt!
  12. Vorstellung in der Öffentlichkeit
    Nicht zu vergessen ist die anschließende Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit! Eine Pressemitteilung, die Verbreitung auf sozialen Netzwerken, Flyer, gedruckte Broschüren und eine Präsentation auf Veranstaltungen tragen dazu bei, dass interessierte Bevölkerungsgruppen von der Existenz des Integrationskonzeptes wissen.

Natürlich muss die Umsetzung der im Integrationskonzept aufgeführten Maßnahmen kontrolliert und nachgehalten werden. So kann das Konzept mit dem Rückhalt aus Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft gelebt werden.

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Claudia Walther - Bertelsmann Stiftung


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Claudia Walther, Senior-Projektmanagerin, ist seit 2001 bei der Bertelsmann Stiftung. Ihre Themen: Einwanderung und Vielfalt in Kommunen. Sie arbeitet im Projekt Weltoffene Kommune, Programm LebensWerte Kommune, Bertelsmann Stiftung.