Kurzfilm

„Nachbarschaftlich verbunden“ - Ein Film aus Marzahn-Hellersdorf

In Marzahn-Hellersdorf treffen verschiedene Kulturen und Geschichten aufeinander. Auf den ersten Blick gibt es hier viele Unterschiede. Gerade Geflüchtete und Ostdeutsche sind doch wirklich sehr unterschiedlich – oder? Im Kurzfilm „Nachbarschaftlich verbunden“ kommen sich Ostdeutsche und Geflüchtete näher und erkennen ihre Gemeinsamkeiten.

Im Film „Nachbarschaftlich verbunden“ kann man die großen Parks und die Weiträumigkeit in Marzahn-Hellersdorf bewundern. Gleichzeitig zeigt er Geschichten und Charaktere und stellt sie in den Mittelpunkt. In „Nachbarschaftlich verbunden“ sehen wir Marzahn-Hellersdorf als Ort der Vielfalt, in dem alteingesessene Ostdeutsche und Personen mit Fluchterfahrung zu Wort kommen, sich austauschen und so zeigen, was die weltoffene Kommune ist. Karin Dalhus, Inge Memczewsky, Fariba Fazeli und Mohamed Amer sprechen über ihre Erfahrungen im Bezirk. Alle vier sind sehr engagiert und setzen sich für das Miteinander und gute Zusammenleben in Marzahn-Hellersdorf ein. Im Film sprechen sie aus ihrer eigenen Biografie heraus zu den Themen Wandel als Chance, Heimat, Heimatverlust und den Aufbau eines neuen Zuhauses. Trotz unterschiedlicher Herkunft und Lebenssituationen verbinden sie ähnliche Herausforderungen, mit denen sie in der Bundesrepublik nach der Flucht bzw. der Wende konfrontiert sind. Hierzu zählen bspw. Überforderung durch die Bürokratie, sowie prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse.

Die Protagonist:innen in „Nachbarschaftlich verbunden“ versetzen sich so in die Biografien der anderen und berichten von ihren erfolgreichen Bemühungen der Selbstorganisation. Durch dieses Hineinversetzen, Verstehen und Organisieren wird eine passive Haltung gegenüber den historischen Situationen, die zu den individuellen Lagen führten, überwunden. Wir können direkt eine Selbstvergesellschaftung ‚von unten‘ miterleben. Hier sind keine abstrakten Prinzipien am Werk, sondern Menschen, die ihr ‚Schicksal‘ selbst in die Hand nehmen und ihren Selbstwert erkennen.

„Der Film „Nachbarschaftlich verbunden“ bringt das Engagement, dem es u.a. zu verdanken ist, dass Marzahn-Hellersdorf für alle Menschen ein „Ort der Vielfalt“ ist und bleibt, im wahrsten Sinne des Wortes, sichtbar zum Ausdruck.“

Dr. Thomas Bryant, Integrationsbeauftragter in Marzahn-Hellersdorf

Durch die ästhetische Darstellung von Bild und Ton erscheint Marzahn-Hellersdorf für die Zuschauer:innen als ein freundlicher Ort der Begegnungen, Chancen und Möglichkeiten für alle – als Antithese zu einem sonst einseitig negativ dargestellten „Problembezirk“. Durch die Dramaturgie sollen die Neugier und Aufgeschlossenheit der Zuschauer geweckt werden, so dass sich die Gemeinsamkeiten zwischen den Protagonist:innen besser erschließen. Denn nach dem Verlust ihrer alten Heimat mussten nicht nur die Geflüchteten einen weiten Weg in eine neue Heimat zurücklegen. Die Ostdeutschen mussten das ebenfalls, jedoch ohne selbst auszuwandern.

Der Kurzfilm „Nachbarschaftlich verbunden“ ist eine Produktion von MaMis en Movimiento e.V. (Regie, Idee, Konzept, Buch und Produktionsleitung: Lilian Vázquez Sandoval), gefördert durch das Büro des Integrationsbeauftragten im Rahmen des Projektes „Be-Team in Marzahn-Hellersdorf: Teilhabe und aktive Partizipation und Integration durch Mehrsprachigkeit in Marzahn-Hellersdorf 2020“.

Er ist in folgenden Sprachen verfügbar: Deutsch, Arabisch, Farsi, Russisch, Vietnamesisch, Spanisch und Englisch. Alle Videos sind auf YouTube veröffentlicht.

Das Medium Film in der weltoffenen Kommune

Ein Film kann im Allgemeinen schneller Emotionen ansprechen als ein Text. Durch die Identifikation mit den Personen und Orten, die im Film gezeigt werden, entsteht ein spontaneres „Wir-Gefühl“, das ausschlaggebend für den Erfolg interkultureller Kommunikation ist. Durch ein in hoher Qualität produziertes audiovisuelles filmisches Dokument kann es gelingen, eine bestimmte Stimmung und Wirkung bei den Zuschauern hervorzurufen. Das Ziel sollte es letztendlich sein, einen Film spannend und ästhetisch zeitgemäß in Bild und Sound für die Zuschauer zu gestalten. Filme können eine wunderbare Form der politischen Kommunikation sein. Die kommunalen Projektarbeiten erschließen Felder der Kommunikation sozusagen vor Ort, direkt an der konkreten Aufgabenstellung. Die Medien, hier insbesondere der Film, können dann die Ergebnisse auf eine übergreifende Ebene heben, wo durch Ästhetisierung, Abstrahierung und Schlussfolgerung der Austausch sowohl mit der Bürgerin als Rezipientin als auch mit den übergreifenden politischen und wissenschaftlichen Diskursen erfolgen kann. Denn klassisch ist Film zugleich Kunst- und Kommunikationsform. Für die Öffentlichkeit gedacht ist der Film, besonders in den sozialen Medien, mit sozialen und politischen Funktionen besetzt. Protagonisten kommunizieren mit dem Betrachter und vermitteln eine konkrete Botschaft, sprachlich und empathisch herausfordernd.

Es ist also für die kommunale Projektarbeit unerlässlich, Filme und andere digitale Medien zu produzieren, die an die Emotionen der Zuschauer:innen appellieren und zugleich Debatten und Reflexionsprozesse initiieren, denn so werden die Kommunikation und der Austausch gefördert.

Unser in sieben Sprachen produzierter Kurzfilm „Nachbarschaftlich verbunden“ soll ein dynamisches, lebendiges Konzept vermitteln, das als bildliche Metapher für das Gemeinschaftliche steht und sich durch seine ästhetische und künstlerische Verarbeitung hervorhebt.

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Dr. phil. Lilian Vázquez Sandoval


Lilian Vázquez Sandoval wurde in Mexiko geboren. Sie hat dort ein Diplom in Sprachwissenschaften abgeschlossen. An der FU Berlin hat sie einen Master in interkultureller Bildung absolviert und zur rekonstruktiven Milieuforschung promoviert. Ein Master of Education in spanischer und englischer Philologie kam hinzu.

In Marzahn-Hellersdorf und Pankow ist sie als Projektleiterin bei MaMis en Movimiento e.V. tätig, wo sie ihren Arbeitsfokus an der Schnittstelle zwischen Sprachen, Medienproduktion, Milieuforschung und interkultureller Bildung gesetzt hat. Bei NSONICS arbeitet sie als Drehbuchautorin und Regisseurin. Lilian Vázquez Sandoval ist Dozentin in den Bereichen ihrer Expertise an der Beuth Hochschule für Technik Berlin.

Foto: Nirto Karsten Fischer