Internationales Beispiel

Welcoming Cities: Erfolgreiches Mentoring made in Australia

Das Modellprojekt „Weltoffene Kommune“ ist Teil des internationalen Netzwerks „Welcoming International“ – einem wachsenden Netzwerk von mehr als 200 Kommunen auf der ganzen Welt – und damit Netzwerpartnerin des Projekts „Welcoming Cities“.

Welcoming Cities ist ein nationales Netzwerk von Städten, Grafschaften, Kleinstädten und Gemeinden in Australien, die sich für die Teilhabe aller Menschen am sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und bürgerlichen Leben seiner Gemeinde einsetzen. Es ist Teil von Welcoming Australia und Gründungspartner:in von Welcoming International – einem wachsenden Netzwerk von mehr als 200 Kommunen auf der ganzen Welt.

Wir sprachen mit Projektleiterin Ashleigh Brand über die Kaleidoscope Initiative, ein erfolgreiches Mentoring-Programm der Stadt Stirling in Westaustralien), Gewinnerin des National Award for Local Government 2019.

Wie hat die Kaleidoscope Initiative die Situation vor Ort verändert?

Als wir vor zweieinhalb Jahren mit der Arbeit begannen, hatten viele der örtlichen Unternehmen keinen Zugang zu einer Belegschaft mit diversem kulturellem Hintergrund oder nutzten diese nicht. Daher begannen wir, mit Unternehmen und Organisationen zusammenzuarbeiten, um ihnen zu helfen, die Chancen zu erkennen, die eine von Diversität geprägte Belegschaft mit sich bringt. Diese reichen von Vorteilen für die Rentabilität bis hin zu besseren Ergebnissen im Hinblick auf Problemlösung, Kreativität und Innovation. Wir prüften, wie sie ihre kulturelle Kompetenz verbessern und ihre Fähigkeiten im Umgang mit vielfältigen Teams ausbauen konnten.

Seit September 2018 hat das Kaleidoscope Mentoring Program mehr als 100 Mentees unterstützt, von denen die meisten kurz nach Abschluss des Programms eine Anstellung in ihrer Branche fanden. Außerdem engagieren wir uns für politische Veränderungen, um systemimmanente Probleme anzugehen, und in einigen Bereichen konnte ich bereits große Veränderungen feststellen. Viele unserer lokalen Behörden und Think Tanks befassen sich inzwischen mit den Problemen Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung bei Migranten.

Wir wurden als führende Kommunalverwaltung für das Kaleidoscope Initiative-Projekt in Australien anerkannt und haben 2019 den National Award for Local Government in der Kategorie für allgemeine Exzellenz gewonnen. Heute betrachten andere Organisationen und Kommunalverwaltungen die transformative Wirkung unseres Programms auf die lokale Wirtschaft und die Gemeinde.

Welche Beziehung haben Sie zu Welcoming Cities?

Die Stadt Stirling war eine der ersten Kommunalverwaltungen in Westaustralien, die eine Selbstverpflichtung auf die Rahmenbedingungen von „Welcoming Cities“ eingegangen ist. Wir sind das größte kommunal verwaltete Gebiet mit dem höchsten Anteil an Menschen mit diversem kulturellem Hintergrund und an Menschen, die in Übersee geboren wurden. Dazu gehören sowohl qualifizierte als auch weniger qualifizierte Migranten und Flüchtlinge. Wir möchten, dass sich die Neuankömmlinge willkommen fühlen und einen Beitrag zur Region leisten, unabhängig davon, ob sie sich langfristig hier niederlassen oder nicht.

Australien hat eine Liste von Berufen, in denen Personalmangel herrscht, sodass Menschen, deren Kompetenzen auf der Liste stehen, oft in der Annahme ankommen, dass sie eine Beschäftigung finden können. Bei ihrer Ankunft stoßen sie auf zahlreiche Hindernisse wie Spr
40 % der Menschen, die nach Australien kommen, für ihre Stelle überqualifiziertachbarrieren, nicht anerkannte Qualifikationen und unbewusste Voreingenommenheit mancher Arbeitgeber. Die aktuelle Forschung zeigt, dass 40 % der Menschen, die nach Australien kommen, für ihre Stelle überqualifiziert sind. Wenn wir dieses Missverhältnis beheben können, ist das sowohl für die Wirtschaft als auch für den Einzelnen von Vorteil. Mit „Welcoming Cities“ arbeiten wir daran, diese Lücken zu schließen.

Mit welchen kommunalen Gruppen vor Ort arbeiten Sie direkt zusammen?

Wir beraten eine Reihe verschiedener Gruppen und Organisationen, die in der Region aktiv sind: die Bhutanese Society of Western Australia, die Organization for African Communities, die Iranian Association of Western Australia, die Indian Society of Western Australia und viele andere. Viele unserer Mentoren kommen dank unseren Beziehungen zu Berufsverbänden wie Engineers Australia zu uns.

In der Vergangenheit hatten sich die meisten kommunalen Gruppen vor allem auf Veranstaltungen und Feste konzentriert, und nicht auf das Problem der Arbeitslosigkeit. Es hat gedauert, bis wir unsere Glaubwürdigkeit als geeigneter Partner zum Angehen dieses Themas aufgebaut hatten. Die Gruppen in der Gemeinde mussten erst sehen, welche Auswirkungen unsere Arbeit auf ihre Mitglieder hatte.

Wie schaffen Sie Raum für Partnerschaften?

Wir haben uns sehr gefreut, dass es uns kürzlich gelungen ist, einige der kommunalen Organisationen bei der Selbstorganisation im Bereich interkulturelle Zusammenarbeit zu unterstützen. Mein Kollege unterstützte die Organization for African Communities bei der Beantragung kommunaler Finanzmittel zur Durchführung von Workshops zur Berufsvorbereitung. Sie erhielten die Gelder und entwickelten ein Programm, das auf ihren Kenntnissen und Erfahrungen beruhte, und luden andere Gruppen ein, daran teilzunehmen und daraus zu lernen.

Wie unterstützen Sie Ihre Mentor:innen?

Wir bieten Schulungen in den Bereichen Mentoring und Leadership an und stellen ihnen Online-Tools zur Verfügung. Wir haben außerdem einen Mentoring-Coach, dessen einzige Aufgabe es ist, den Mentoren bei Schwierigkeiten zur Seite steht. Nach der Hälfte des drei Monate dauernden Mentoring-Programms nehmen sie zusammen mit ihren Mentees an einem Training zur kulturellen Kompetenz teil. Das Programm ist eine gute Gelegenheit, sich beruflich weiterzuentwickeln, und es hilft ihnen, einen globalen Einblick in die Abläufe in ihrer Branche zu gewinnen.

Was ist Ihre Lieblingsgeschichte in Bezug auf die Wirkung des Programms?

Die Teilnehmer des Kaleidoscope Mentoring Program kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen, darunter Ingenieurwesen, Medizin, Bankwesen, Forschung, Recht und kommunale Dienste. Viele dieser hochqualifizierten Neuankömmlinge haben jahrelang als Kellnerinnen oder Bauarbeiter gearbeitet, bevor sie ihre Mentoren kennenlernten und deren wertvolle persönliche Unterstützung erhielten. Durch unser Programm haben sie ihre Soft Skills weiterentwickelt und ihr Verständnis für die australische Arbeitskultur und Personalpraktiken verbessert, und konnten so den richtigen Weg finden, um in Westaustralien beruflich voranzukommen.

Viele unserer Mentoren sind selbst Migranten und sagen oft: „Wir wünschten, wir hätten ein Programm wie Kaleidoscope gehabt, als wir hier ankamen - das hätte für uns einen großen Unterschied gemacht.“ Wir haben hier ein starkes Programm zusammengestellt, von dem sowohl die Neuankömmlinge als auch die westaustralischen Gemeinden profitieren: Wir sind in der Lage, Menschen so zu beschäftigen, dass ihr Potenzial in vollem Umfang ausgeschöpft wird, und sie können ihre Fähigkeiten, ihr Wissen und ihre Kreativität in die lokale Wirtschaft einbringen

Ashleigh Brand


Ashleigh Band ist Projektleiterin der Kaleidoscope Initiative, einem erfolgreichen Mentoring-Programm der Stadt Stirling (Westaustralien), das 2019 den National Award for Local Government gewonnen hat. Als Projektmanagerin, Moderatorin, Trainerin und Coach für Vielfalt und Führung setzt sie für den sozialen Wandel ein und unterstützt Neuankömmlinge in Westaustralien, ihr volles Potenzial auszuschöpfen.

Foto: https://www.kaleidoscopeinitia...