Gastbeitrag von Dr. Christian Huesmann

6 Tipps für Dialog-Veranstaltungen

Weltoffenheit entsteht, wenn verschiedene Menschen das Leben vor Ort mitgestalten. Ein zentraler Baustein dafür ist der Austausch zwischen Einwohner*innen, Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik. Doch wie kann dieser Austausch gelingen? Dr. Christian Huesmann von der Bertelsmann Stiftung hat 6 Tipps für Ihre nächste Dialogveranstaltung.

1. Ausreichend Zeit und Ressourcen einplanen

Erfolgreiche Beteiligungsformate und Dialogveranstaltungen bedürfen ausreichend personeller, finanzieller und zeitlicher Ressourcen für die Vorbereitung und Durchführung. Mit genügend Vorlauf kann der Prozess umfassend geplant und an die lokalen Gegebenheiten angepasst werden. Dazu gehören die Themenfindung und Formulierung der Fragestellung, die Auswahl und Vorbereitung einer externen Moderation sowie die frühe Einladung der Teilnehmenden. So bekommen diese die Möglichkeit, sich mit dem Prozess vertraut zu machen und darauf einzulassen.

Gleiches gilt für die Umsetzung vor Ort: Großzügige Zeitfenster inklusive Pausen sind empfehlenswert, sodass alle die Gelegenheit haben, ihre Ideen einzubringen. Auch finanzielle Ressourcen sollten berücksichtigt werden, um Gestaltungsspielraum zu schaffen und auf unerwartete Situationen eingehen zu können. Eine gute Planungsgrundlage, um den Rahmen des Verfahrens abzustecken, bietet das Planungstool des Beteiligungskompasses der Bertelsmann Stiftung.


2. Ziele und Zielgruppen definieren

Beteiligungs- und Dialogveranstaltungen sollten nicht nur um der Beteiligung selbst stattfinden. Was und wer soll erreicht werden? Die Arbeit an einem konkreten Ziel ist eine wichtige Voraussetzung für gelingende Beteiligung. Dazu gehören die Information über das Ziel der Dialogveranstaltung oder Dialogreihe sowie eine klare Kommunikation zum weiteren Verlauf: Was passiert mit den Ergebnissen? Wann werden die Pläne in die Tat umgesetzt? Einwohner*innen erwarten Antworten auf diese Fragen. Daher ist es wichtig, Ziel und weiteres Vorgehen bereits zu Beginn eines Prozesses klar zu benennen.

Zusätzlich sollte vorab geklärt sein, an wen sich das Verfahren richtet. Oft ist eine breite Meinungsvielfalt sinnvoll. Aber ohne begleitende Maßnahmen sind die Teilnehmer*innen bei Beteiligungsverfahren häufig sozialstrukturell ungleich verteilt. Es dominieren Hochausgebildete, Mittelschichtangehörige höherer beruflicher Positionen, Männer in mittleren Jahrgängen. Als probates Mittel hat sich hier die Zufallsauswahl bewährt, um Meinungsvielfalt zu gewährleisten.


3. Transparenz und gutes Erwartungsmanagement sicherstellen

Gute Beteiligung nutzt und erklärt vorhandene Gestaltungsspielräume. Enttäuschungen werden vermieden und Motivation wird geweckt, indem die Rahmenbedingungen von Beginn an klar kommuniziert werden. Wenn diese unklar sind oder kein Handlungsspielraum besteht, kann das schnell zu Enttäuschungen bei den beteiligten Bürger*innen führen.

Dazu gehört auch, dass diese Rahmenbedingungen klar kommuniziert werden. Wo nicht informiert wird, wird spekuliert. Gute Beteiligung basiert auf Transparenz und verlässlichem Informationsaustausch, damit Einwohner*innen zielgerichtet und auf Augenhöhe diskutieren können. Eine gute Handreichung für Transparenz in Beteiligungsprozessen für Projektverantwortliche bietet die Publikation der "Allianz Vielfältige Demokratie".


4. Die passenden Methoden auswählen

Methodenvielfalt ist wichtig, aber eine Methodenschwemme ist kontraproduktiv. Weder drei volle Stunden Frontalvorträge, noch der ständige Wechsel zwischen unterschiedlichen Methoden sind sinnvoll. Die richtige Methodik dient immer dem Ziel der jeweiligen Arbeitsphase und ist passend für die Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe. Das Angebot an unterschiedlichsten Methoden ist mittlerweile enorm. Eine Übersicht bietet der Beteiligungskompass der Bertelsmann Stiftung.


5. Wertschätzender Umgang

Dialogveranstaltungen und Beteiligung leben von der Beteiligung und den Beiträgen der Einwohner*innen, die in der Regel ehrenamtlich ihre Zeit investieren, um einen Beitrag zum Gemeinwesen zu leisten. Von der Verpflegung über die Moderation der Veranstaltung bis hin zur konstruktiven Grundhaltung der jeweiligen Entscheider*innen: Der wertschätzende Umgang mit den partizipierenden Einwohner*innen, deren Beiträgen und Ergebnissen ist elementar für das Gelingen von Beteiligungsformaten. Orientierung, was gute und wertschätzende Beteiligung ausmacht, bieten die 10 Grundsätze für die Qualität von Bürgerbeteiligung der "Allianz Vielfältige Demokratie".


6. Barrierefreiheit

Veranstaltungen zum Austausch und zur Beteiligung an Entscheidungsprozessen sollten für alle Einwohner*innen offen sein. Damit die Teilnahme allen interessierten Personen möglich ist, sollten verschiedene organisatorische Aspekte berücksichtigt werden. Dazu gehören unter anderem die folgenden Punkte:

  • Sprache und Form in der Einladung (leichte Sprache, Mehrsprachigkeit, Anti-Diskriminierung)
  • Wahl der Tageszeit und Dauer der Veranstaltung (Angebot von Kinderbetreuung durch die Veranstalterin)
  • Erreichbarkeit und barrierefreier Zugang der Veranstaltungslokalität (Erreichbarkeit per ÖPNV; „Wann fährt der letzte Bus?“)
  • Mehrsprachigkeit während der Veranstaltung (Flüsterübersetzungen, Gebärdensprachdolmetscher*innen)

Download

Hier können Sie den Artikel als PDF herunterladen, um ihn auszudrucken oder anderen Interessierten zu schicken.

Dr. Christian Huesmann


Dr. Christian Huesmann ist Project Manager im Projekt “Demokratie und Partizipation in Europa” der Bertelsmann Stiftung. Er arbeitet im Bereich Bürger*innenbeteiligung - im universitären, privaten und zivilgesellschaftlichen Umfeld. Er hat verschiedene kommunale, nationale und internationale Beteiligungsverfahren mitkonzipiert, durchgeführt und evaluiert. Dr. Huesmann ist Gründungsmitglied des Netzwerks "Allianz Vielfältige Demokratie”.