Gastbeitrag von Julia Tegeler

5 Tipps für digitale Dialog-Veranstaltungen

Nicht erst seit Corona und dem Social Distancing ist der Austausch im digitalen Raum eine wichtige Möglichkeit für die Beteiligung von Einwohner*innen. So können sich viele Menschen einbringen, egal von wo. Damit Ihre digitale Dialogveranstaltung gelingt, finden Sie hier 5 Tipps von Julia Tegeler von der Bertelsmann Stiftung.

1. Die Veranstaltung intensiv vorbereiten

Digitale Dialogveranstaltungen erfordern eine intensive Vorbereitung. Zunächst sollte man klären, welche Ziele die Veranstaltung verfolgt und welche Zielgruppen adressiert werden: Was soll erreicht und wer beteiligt werden? Insbesondere sollten die digitalen Möglichkeiten und Kompetenzen der Zielgruppe berücksichtigt werden, wenn digitale Tools – wie Zoom, Skype oder Teams – bei der Veranstaltung zum Einsatz kommen. Kann sich jede*r Teilnehmer*in digital beteiligen? Verfügen alle über einen Internetzugang, die nötige technische Ausstattung, Einwahldaten und die erforderliche digitale Kompetenz?

Außerdem sollten digitale Dialogveranstaltungen nicht zu lang sein. Um die virtuelle Präsenzzeit zu verkürzen, ist es sinnvoll, die Zeit vor der Veranstaltung intensiver zu nutzen und die Teilnehmer*innen schon vorab einzubinden. Durch Vorgespräche oder Briefings können etwa bestimmte Inhalte vorab vermittelt werden. Über eine digitale Pinnwand (z.B. Padlet) können die Teilnehmer*innen schon in Kontakt miteinander kommen. Anhand von vorbereitenden Fragen können sie sich bereits mit bestimmten Aspekten auseinandersetzen.

2. Zielführende und zielgruppengerechte Tools und Methoden einsetzen

Kein technischer Schnick-Schnack, keine Methodenflut: Sowohl die Arbeitsmethoden (z.B. Impulse, Gruppenarbeit, Übungen) als auch die technischen Hilfsmittel (z.B. Abfrage-Tools wie Mentimeter oder digitale Whiteboards wie Mural) sollten so ausgewählt werden, dass sie den Zielen der Veranstaltung dienen und den Bedürfnissen der Zielgruppe entsprechen. Ein gewisses Maß an Methodenvielfalt ist abwechslungsreich und hilft gerade im digitalen Raum, die Aufmerksamkeit der Teilnehmer*innen zu erhalten.

Zu viele Methoden oder technische Tools können jedoch die Veranstaltung überfrachten und als überfordernd empfunden werden. Hier gilt es, die Teilnehmer*innen auch "technisch" mitzunehmen. Für digitale Veranstaltungen empfehlen sich deshalb niedrigschwellige und nutzerfreundliche Tools.


3. Klar und interaktiv moderieren

Bei digitalen Dialogveranstaltungen befindet man sich nicht in einem Raum, in dem jede Reaktion und auch die Körpersprache der anderen Teilnehmer*innen wahrnehmbar ist. Daher braucht es eine besonders klare, strukturierte und am besten in digitalen Formaten erfahrene Moderation, die den Teilnehmer*innen eine gute Orientierung gibt. Hierzu gehört etwa, im Blick zu haben, wer als Nächstes sprechen darf, die Sprecher*innenrolle explizit zuzuweisen und darauf zu achten, dass alle zu Wort kommen und sich einbringen können.

Wird interaktiv gearbeitet – etwa mit einem digitalen White Board – braucht es klare Anweisungen, wer was wann tun soll. Zudem sollte die Moderation die Teilnehmenden auch dazu anregen, Feedback zu geben und sich aktiv einzubringen, um die Stimmung in der Gruppe einschätzen und darauf reagieren zu können.


4. Digitale Atempausen einplanen und Zeit für Reflexion geben

Auch wenn digitale Dialogveranstaltungen nicht zu lang dauern sollten: Es braucht digitale Atempausen, in denen die Teilnehmer*innen sich orientieren und auch einmal für sich nachdenken können. Diese individuelle Bedenkzeit ist gerade in Formaten wichtig, in denen Menschen in den Dialog kommen, sich über unterschiedliche Sichtweisen austauschen oder gemeinsam Ideen erarbeiten sollen.

Für die Veranstaltungsplanung bedeutet das, einige Momente der Ruhe in einem straff durchgeplanten zeitlichen Ablauf einzuplanen und auch ein Schweigen auszuhalten. Um gemeinsam Ideen zu entwickeln und zu besprechen, kann es sinnvoll sein, den Austausch in Breakout-Sessions in Kleingruppen zu verlagern, wo jede*r zu Wort kommen und man gemeinsam nachdenken kann.


5. Nähe trotz räumlicher Distanz herstellen

Dialogveranstaltungen leben davon, dass sich die Teilnehmer*innen einbringen und in einen offenen Austausch kommen. Dies setzt ein gewisses Maß an Vertrauen und Nähe voraus. In digitalen Dialogveranstaltungen lässt sich das auf verschiedene Weise fördern:

  • durch eine offene, wertschätzende und zugewandte Haltung der Moderation,
  • durch Gelegenheiten zum persönlichen Austausch – etwa in 2er oder 3er-Gruppen in Breakout-Sessions, in einer persönlichen Vorstellungsrunde oder durch Icebreaker, wie sie auch in analogen Veranstaltungen eingesetzt werden,
  • mit Hilfe interaktiver Methoden, durch die die Teilnehmer*innen gemeinsam an einer Aufgabe arbeiten und dabei ihre persönlichen Sichtweisen und Ideen einbringen können.

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    Julia Tegeler


    Julia Tegeler ist Projektmanagerin bei der Bertelsmann Stiftung und verantwortet hier Projekte zur Wertebildung und zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts in modernen Gesellschaften. Zuvor hat die studierte Philosophin und Germanistin im Hochschulmanagement und als hochschulpolitische Referentin gearbeitet.