Zusammenhalt und Begegnung in Kommunen

10 Tipps für das Zusammenleben in kultureller Vielfalt

Unsere Städte und Gemeinden sind von Einwanderung und Vielfalt geprägt. In manchen großen Städten wie Stuttgart, Frankfurt, Köln kommt längst mehr als die Hälfte der Jugendlichen aus Einwanderungsfamilien. Das bietet Chancen, aber auch Herausforderungen für das Zusammenleben.

"In der weltoffenen Kommune respektieren und wertschätzen Einwohner*innen unterschiedlicher Herkunft, Kultur, Weltanschauung und Religion einander und stehen füreinander ein", so lautet unsere Zielsetzung zum Thema Zusammenhalt und Begegnung. Hier empfiehlt sich ein Blick über den Tellerrand auf andere Fachgebiete, insbesondere die Stadtentwicklung. Aber auch die Verzahnung mit anderen Politikebenen ist wichtig, sei es mit Landes-, Bundes- oder Europapolitik. Die Bertelsmann Stiftung suchte in Städten und Gemeinden nach Ansätzen und guten Beispielen dafür, wie das Zusammenleben in Vielfalt gelingen kann.

Die folgenden Handlungsempfehlungen sind auszugsweise der Publikation "Kulturelle Vielfalt in Städten. Fakten – Positionen – Strategien" entnommen.

Zuwanderungs- und Integrationspolitiken sowie Stadtentwicklungspolitiken müssen zusammengedacht werden

  1. Die Bildung von Allianzen zwischen Kommunen, lokaler Wirtschaft und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen ist notwendig und damit verbunden auch eine engere Abstimmung zwischen den unterschiedlichen Ressorts in den einzelnen Stadtverwaltungen.
  2. Die gezielte Verzahnung von Stadtentwicklung und Migration ist durch eine Zusammenarbeit in den Ressorts zu unterstützen und mithilfe experimenteller Programme, etwa die Arbeit an produktiven Orten migrationsbedingter Vielfalt, weiterzuentwickeln und gesamtstädtisch einzubinden.
  3. Die Vernetzung von Kommunen untereinander sollte gefördert werden. Die Entwicklung geeigneter Services für die Kommunen sowie staatliche Leitlinien, beispielsweise zum Moscheebau, können die Arbeit vor Ort erleichtern. Anzustreben ist eine langfristige und projektübergreifende Planung.

Die Integrationsleistungen der Kommunen müssen unterstützt
und anerkannt werden

  1. Die Gegenfinanzierung der Kommunen für ihre Integrationsleistungen durch Bund und Länder sollte angepasst werden. Zudem ist eine systematische Unterstützung der Kommunen durch Bund und Länder anzustreben; die Kompetenzen sind zu regeln.
  2. Migrationsbedingte Vielfalt sollte stärker in das zivilgesellschaftliche und ehrenamtliche Engagement eingebunden werden.
  3. Der interreligiöse Dialog sollte auf kommunaler Ebene als Prozess implementiert werden und Bildungsmaßnahmen zu demokratischen Werten, insbesondere auch zu Frauenrechten, sind zu fördern. Die Kommunen sollten staatliche Institutionen darin bestärken, dass diese bezüglich des individuellen Rechts auf Religionsausübung ihre Neutralität wahren.

Stadtentwicklungspolitiken müssen auf neue Mobilitätsformen
ausgerichtet werden

  1. Um Scheinpartizipation zu vermeiden, gilt es (niedrigschwellige) Angebote einzurichten und neue Partizipationsformate zu entwerfen, die in den lokalen Gegebenheiten verankert sind.
  2. Ein kommunales Wahlrecht auch für Nicht-EU-Bürger*innen ist anzustreben. Es sollte auf eine Ausgewogenheit in den Beiräten in Bezug auf Nationalitäten, Geschlecht und Berufsgruppen geachtet werden.
  3. Zusätzliches Personal ist nötig, um mehr Orte migrationsbedingter kultureller Vielfalt (öffentliche Räume, insbesondere Parks und interkulturelle Gärten, Bibliotheken und Museen) aufzuwerten und diese als Ausgangspunkt für eine gesamtstädtische Vernetzung zu etablieren.
  4. Generell gilt: Die internationale Kooperation, zum Beispiel über Städtenetzwerke und thematische Allianzen auf EU-Ebene, sollte ausgebaut werden. Deutschland sollte sich in diesem Bereich international stärker positionieren.

Bertelsmann Stiftung (Hrsg.). Gütersloh 2018. Verantwortlich: Andreas Grau, Dr. Ulrike Spohn, Dr. Kai Unzicker

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Dr. Ulrike Spohn


Dr. Ulrike Spohn promovierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster im Fach Politikwissenschaft zur Frage der Zukunft des säkularen Staates. Seit 2017 ist sie als Projektmanagerin bei der Bertelsmann Stiftung tätig.

Dr. Kai Unzicker


Dr. Kai Unzicker, Senior Project Manager, ist bei der Bertelsmann Stif­tung verantwortlich für das Thema "Gesellschaftlicher Zusammenhalt". Er ist einer der Sprecher der "Allianz für gesellschaftlichen Zusammenhalt", einem Zusammenschluss von zehn Stiftungen. 2018 hat er als Projektleiter den Reinhard Mohn Preis zum Thema "Vielfalt leben – Gesellschaft gestalten" betreut.

Andreas Grau


Andreas Grau ist Projektmanager im Programm "Zukunft der Zivilgesellschaft" der Bertelsmann Stiftung. Er verantwortet das Projekt Engagierte Stadt. Zuvor trieb er Gründung und Aufbau der Allianz für gesellschaftlichen Zusammenhalt voran. In den vergangenen drei Jahren forschte er zum gesellschaftlichen Zusammenhalt auf lokaler Ebene, zum Engagement von Moscheegemeinden für Flüchtlinge und zur Entwicklung von Fremdenfeindlichkeit sowie Populismus in Deutschland.